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Malte Prien

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Die häufigsten Zolltarif Probleme

Warum Default-Werte blöd sind

Außenhandels-Prozesse bieten eine Vielfalt potenzieller Stolperfallen, die kaum einer für möglich hält. Eine Übersicht soll die wichtigsten Zolltarif Probleme vorstellen und Ihnen vermitteln:

 

Sie sind nicht allein!
Es gibt für alles eine Lösung!

 

Die hier dargestellten Fälle basieren auf realen Projekten; die Kunden dürfen wir namentlich jedoch nicht nennen, um Vertraulichkeit zu gewährleisten. Vielleicht finden Sie sich beim einen oder anderen Problem wieder.

1. Problemfall: Unspezifische Warentarifnummer

Beschreibung

Ein Fahrzeug-Hersteller stellt fest, dass verschiedene Mitarbeiter aus der Konstruktionsabteilung die Stammdaten für Ersatzteile nicht sorgfältig pflegen. Insbesondere das Datenfeld für die Zolltarifnummer bleibt zu oft leer, was im weiteren Verlauf dazu führt, dass die Waren im Versand nicht versendet werden können. Die IT schlägt vor, Default-Werte im ERP-System auf Basis des Konstruktions-Schlüssels zu definieren: So werden alle Daten gefüllt, auch wenn der zuständige Mitarbeiter es nicht aktiv pflegt. So kommt es, dass alle Ersatzteile eines Fahrzeug-Bereiches die gleiche ZTN haben – egal ob Motor-Abdeckung, Kabel oder Motor.

Diese Praxis wurde mehrere Jahre durchgeführt, bevor es bei der nächsten Außenwirtschaftsprüfung massive Zolltarif Probleme gab. Die Zollverwaltung:

  • entzog dem Unternehmen sämtliche genehmigte Verfahrens-Erleichterungen.
  • forderte eine Compliance Struktur.
  • beanstandet die falsch bzw. zu unspezifisch tarifierten Artikel.
  • fordert den Hersteller auf, innerhalb von 6 Monaten Abhilfe zu schaffen.

Lösung

Falsch: Im ERP-System richten sich die Default-Werte für die ZTN ausschließlich nach dem Verwendungszweck und lautet für sämtliche Ersatzteile:


84312000, Teile von Maschinen, Apparaten und Geräten …

 

Richtig: Jedes Bauteil das als Ersatzteil eigenständig versendet wird, muss über eine spezifische Warennummer verfügen, die verschiedensten Merkmalen gerecht wird wie Verwendungszweck, Material, Funktions-Prinzip etc. Dadurch sind die o.g. Ersatzteile so korrekt eingereiht (ZTN + Materialtext):


72107080 für die Motor-Abdeckung flachgewalzten nicht legiertem Stahl, mit einer Breite von 600 mm oder mehr, und mit Farbe lackiert“

85444290 für die isolierte elektrische Anschluss-Leitung 60 V, 1,5 m, M12 Stecker

85015100 für den Drehstrommotor 254 V, 4,5 A

 

Aufgabe: Alle betroffenen Ersatzteile bzw. Waren mussten technisch recherchiert und neu in den Zolltarif eingereiht werden.

2. Problemfall: Zolltarifnummer des Lieferanten übernommen

Beschreibung

Ein Maschinenbau-Unternehmen ordert über den Einkauf diverse Teile, die zu Baugruppen montiert werden. So entstehen anspruchsvolle Produkte, die in die ganze Welt exportiert werden.
Für einen neuen Typ an Flüssigkeits-Pumpen bestellt der zuständige Einkäufer Guss-Gehäuse von einem neuen Lieferanten. Als der in seiner Lieferantenerklärung auch eine Warentarifnummer angibt, freut sich der Einkäufer über (angeblich) weniger Arbeit: Er übernimmt die Zolltarifnummer des Lieferanten einfach für das Endprodukt, die Pumpe. Das scheint ihm logisch, weil das Gehäuse den hauptsächlichen Gewichts- und Volumenanteil ausmacht.

Beim Export außerhalb der EU beanstandet der Zoll allerdings die deklarierte Warennummer der fertigen Pumpe. Zu recht, da die montierte Pumpe eine andere Funktion erfüllt (Flüssigkeit fördern) als das Guss-Gehäuse (Motor schützen + Wärme ableiten). Das Gewicht spielt für die Zolltarifierung keinerlei Rolle, kann jedoch für die Präferenzkalkulation relevant sein, siehe Warenursprung und Präferenz.

Lösung

Die korrekte Einreihung in den Zolltarif erfolgt immer durch Kombination verschiedener Kriterien wie:

  • Material
  • Wirkungsprinzip
  • Funktion bzw. Verwendungszweck

Komplette Liste an Kriterien für die Zoll-Tarifierung finden Sie unter ZTN Projekt.

Vergleich

ZTN für das Vorprodukt Guss-Gehäuse kämen zwei Ansätze infrage:


73259990 für andere Waren aus Eisen oder Stahl, gegossen

84139100 für Teile von Pumpen: Diese ZTN würde besser passen, wenn das Gehäuse speziell für eine Pumpe hergestellt worden ist.

 

ZTN für Endprodukt das Endprodukt Flüssigkeits-Pumpe


84136031, Hydro-Zahnradpumpe (ausg. Hydroaggregate)

Tipp: Was bei globalem Warenverkehr zu beachten ist

Wenn es im weltweite Warenströme geht, müssen Lieferant und Empfänger unterschiedliche Zolltarifnummern verwenden. Dabei geht es um die Anzahl der Stellen. Ein Produkt aus den USA z.B. wird mit 8 Stellen (nach der Kombinierten Nomenklatur (KN) bzw. Taric) ausgewiesen, da es um einen Export geht. Für den Import in die EU sind allerdings 11 Stellen nötig wie das Beispiel zeigt:


ZTN Export: 88033000 Teile von Hubschraubern oder Starrflügelflugzeugen…
ZTN Import: 88033000900 Teile von Hubschraubern oder Starrflügelflugzeugen…


Der Auftraggeber kann die ZTN des Lieferanten also nicht 1:1 übernehmen.

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